MomLife: Meine Stillgeschichte oder der Kampf zwischen Verzweiflung und Glück.

Was war ich doch naiv! Den Kopf schüttelte ich über alljene, die sich dagegen entschieden. Ich glaubte, es wäre mehr als einfach und alle anderen wären zu egoistisch und schlechte Mütter. Und dann kam ich in die Situation. Ich kam der Verzweiflung nicht nur nah, sondern ging beinahe in ihr auf und kämpfte einen täglichen Kampf, den ich zu verlieren drohte. Geheule, Aggressionen, Selbstzweifel, Trauer und Wut – ein Wechselbad der negativen Gefühle machte sich breit, während mein Kind unter mir lag, hungrig und schreiend. Wovon die Rede ist? Vom Stillen natürlich. Heute möchte ich euch nämlich von meinem Kampf beim Stillen berichten und alle ermutigen, nicht aufzugeben, so schwer es auch fällt.

Die ersten zwei, drei Tage nach der Geburt trank Babyboy nichts. Das war weiter nicht schlimm, da Babys nach der Geburt noch genug Reserven hatten, doch trieb mich das schon an den Rand der Verzweiflung. Egal, was ich oder die Hebammen versuchten, der kleine Mann wollte einfach nicht an der Brustwarze saugen. Er öffnete zwar den Mund und klappte ihn auch vermehrt zu, doch das eigentliche ‘Andocken’, wie ich es immer nenne, geschah einfach nicht. Stunde um Stunde versuchte ich es erneut, zu jeder Tag und Nachtzeit wurde er angelegt und dazu animiert, endlich zu saugen. Nachts schlief er dann mit der Brustwarze vor oder leicht im Mund ein. Getrunken hatte er aber noch nicht. Erst ein Stillhütchen brachte den ersten Erfolg – in meiner Schwangerschaft las ich ständig vom Stillhütchen, konnte mir aber absolut gar nichts darunter vorstellen… Für alle, denen es genau so ergeht: Ein Stillhütchen ist ein Silikonaufsatz, den man sich auf die Brustwarze legt und der somit einen verlängerten Nippel simuliert, quasi ein Strohhalm für die Muttermilch. Das erleichtert das Saugen beim Baby und führt auch dazu, dass die Brustwarze nicht so schnell gereizt ist.

Als wir also endlich das Stillhütchen benutzten, fing Babyboy vermehrt an zu saugen und trank auch Schluck um Schluck, doch war das Anlegen selbst immer noch eine Qual, die teilweise etwas ruppig vonstatten ging. Was es zudem erschwerte, war die Tatsache, dass das Hütchen natürlich nicht bombenfest auf der Brustwarze sitzt und sobald verrutscht, alsbald Muttermilch oder Speichel am Rand entlang rinnt und sich seinen Weg unter die Auflage sucht. Ständiges Verrutschen und somit Stoppen des Trinkflusses inklusive… Zuhause angekommen, war die Angst, mein Sohn könne mir an der Brust verhungert noch größer, denn ich hatte keine Hebamme und Arzt zur Seite, die mir helfen könnten. Kurzum ging es also in die Drogerie, wo wir erst einmal noch PreMilch und anderes Milchpulver kauften -nur für den Fall der Fälle und in erster Linie, um mich zu beruhigen, dass wir zufüttern könnten, wenn es denn nötig werden würde. Bis jetzt ist alles noch original verpackt – toitoitoi. Die Stillhütchen kamen jedoch noch einige Tage später zum Einsatz, da es ohne einfach nicht klappen wollte und jedes Geschrei mich zum Schwitzen und Weinen brachte. Erst durch Herrn T., der mich ermutigte, ja beinahe schon zwang, die Hütchen wegzulassen, biss ich die Zähne zusammen, atmete tief durch und legte ihn immer wieder ohne an. Und auch immer wieder mit dem Gedanken, ich höre einfach auf, es soll wohl einfach nicht sein. Wir schaffen das niemals. Ich dachte ja wirklich vollkommen naiv, der Prozess des Stillens wäre von Anfang an pure Romantik und innige Liebe. Immerhin stärkt es die Bindung zwischen Baby und Mama und gibt dem Kind nur Gutes und der Mutter natürlich auch. Dass ich zunächst so sehr daran verzweifeln würde und Probleme hätte, hätte ich niemals gedacht. Romantisch leicht – anlegen, saugen, glücklich? Nope, nicht bei mir. Ich hatte schon jedes Mal unheimliche Angst, wenn es wieder hieß, ich müsste nun stillen, weil Babyboy eben hungrig wäre. Ich fing sogar tatsächlich an eine Abneigung zu entwickeln, weil die Überforderung so immens groß war und stetig anstieg. Hinzu kam natürlich auch immer noch, dass ich nicht sehen konnte, wie viel er wirklich trank. War es genug oder doch zu wenig? Fragen um Fragen, die die ganze Sache alles andere als erleichterten.

Doch ich bzw. wir sollten für unser Durchhaltevermögen entlohnt werden. Tag um Tag funktionierte es immer besser. Das Anlegen und Andocken ging immer schneller und mit immer weniger Geschrei. Auch die Dauer des Stillens maximierte sich stetig, sodasss aus gequälten zehn Minuten mittlerweile teilweise bis zu einer Stunde wurden. Ich merke auch viel schneller mittlerweile, ob der kleine Mann wieder Durst und Hunger hat und muss nicht erst auf sein Schreien warten. Einzig und allein das Stillen in der Öffentlichkeit machte mir dann nochmal erneute Probleme. Dies allerdings eher im Kopf. Wie schaffe ich es so zu stillen, dass ich niemanden belästige, selbst nicht blankziehen muss und dennoch entspannt meinen Sohn satt bekomme. Glücklicherweise war ich das erste Mal mit ganz lieben Menschen unterwegs, die mich herrlich unterstützten und keine Probleme damit hatten. Ich versuchte es zunächst mit einem Mulltuch über meiner Schulter und seinem Kopf, was mein kleiner Mann allerdings alles andere als grandios fand. Nach einigem Versuchen gab ich es dann auf und nahm das Tuch weg. Darüberstehen heißt die Devise. Mit weiten Blusen, die man recht gut auf die Brust bis zur Schnute des Babys legen kann, komm ich nun viel besser klar. Wenn man meinen Busen sieht, dann ist es ebenso. Hauptsache mein Kind wird satt und ist zufrieden, wenngleich ich mich dennoch eher an den Rand eines Cafes setze und nicht unbedingt provokativ blank ziehe, das muss ja auch nicht sein. Wem das aber dennoch zu viel ist, der hat eindeutig das Problem. Ich habe jedenfalls keines mehr ^^.

Gewiss ist das Stillen immer noch hier und dort anstrengend und auch schmerzhaft. Meine Nippel konnten tagelang nicht einmal einen Windhauch ertragen. Und auch die Eitelkeit gab ich zuhause vollends auf und laufe vor allem an heißen Tagen nur im Stillbh herum und das auch nur, weil ich sonst eine Spur aus Muttermilch hinter mir herziehen würde – ja #mehrrealität. Und auch die Nächte sind extrem kurz, sodass ich regelmäßig beim Stillen einschlafe, genau wie Babyboy ^^. Doch darf niemals vergessen werden, dass es sich beim Stillen nicht nur um die Nahrungsaufnahme handelt, sondern auch um Geborgenheit – ich weiß nicht, wie häufig ich als Schnuller ‘missbraucht’ werde… Und ich sag euch, allein das zufriedene Schmatzen und Grummeln des Babys an eurer Brust, das euch unendlich dankbar dafür ist, auch, wenn es das nicht sagen kann, ist all das wert und schafft ein Gefühl puren Glücks!

Wenn ihr also die Möglichkeit habt, zu stillen, dann tut dies! Gebt nicht auf, so steinig der Weg auch scheint! Und sind euch Ratschläge von außen zu viel, dann kommuniziert das. Lasst euch nicht reinreden. Entspannt euch, atmet mehrmals durch und sagt euch immer wieder: Morgen ist es schon wieder ein ganzes Stück besser!

Fotos gemacht von: Gleenglory

2 Comments

  • Danke für diesen tollen Beitrag, danke für deine ehrlichen Worte. Ich bin zwar noch lange nicht so weit, aber manche mir auch jetzt schon manchmal Gedanken wie es wohl wird und ob es klappt. Auch am Anfang der SS ziehe ich jetzt den Hut vor allen anderen Frauen die ihrer Arbeit ganz normal weiter nachgehen konnten. Ich konnte es nicht. Aber ich hab es akzeptiert und auf meinen Körper gehört, was die beste Entscheidung war.

    Alles Liebe und weiterhin viel Erfolg.

    Dany von danyalacarte.de

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