MomLife: Unser ‘Überleben’ im Corona-Wahnsinn.

Es ist gefühlt die drölfzigste Woche, in der der alles andere als alltägliche Alltag vonstatten geht. Die Großeltern und Freunde wurden schon ewig nicht gesehen, das Chaos hat hier nicht nur Einzug erhalten, es hat auch beschlossen zu bleiben und auch sonst heißt es eigentlich täglich nur ‘Überleben’ und den Tag ohne größere und kleinere Zusammenbrüche herumzubekommen.

Es gibt Tage, die gehen so schnell vorbei und sind soo amüsant, dass wir erschöpft, aber glücklich ins Bett fallen. Und dann gibt es Tage, die sich schon morgens um halb sechs beginnend ins Unendliche ziehen. Geschafft wurde nix, alle sind schlecht drauf und selbst das Einschlafen will einfach nicht gelingen.

Ich weiß, ich jammere gerade auf höchstem Niveau und viele können das Gejammer von vielen Seiten nicht mehr hören. Ich glaube, für die Natur und vielleicht auch unser gesellschaftliches, ökologisches und möglicherweise auch kulturelles Denken ist diese Situation ein Segen. Mutter Natur kann aufatmen und endlich wieder beginnen sich zu regenerieren, ich denke, viele von uns haben begriffen, dass man seinen Egoismus zurückschrauben kann und muss. Und ich glaube zudem, dass einige auch verstanden haben, in was für einem Luxus wir leben. Materiell wie immateriell. Die Freiheit, die wir sonst genossen haben und die uns zwangsläufig genommen wurde, haben wir als selbstverständlich angesehen. Für viele tausende, ja gar Millionen Menschen ist sie das aber nicht. Wir wissen gar nicht, wie gut wir es hatten und auch immer noch haben. Für viele ist die Situation unerträglich, obwohl es beinahe keinen Grund dazu gibt. Für andere ist sie jedoch wirklich unerträglich und nicht aushaltbar – ich sage nur häusliche Gewalt, psychische Erkrankungen und einiges mehr. Wir haben meine Schwester seit nun über acht Wochen nicht gesehen. Ich weiß nicht, wie es ihr geht und was sie denkt, warum wir nicht kommen. – Für alle, die den Hintergrund nicht wissen: Meine Schwester hat durch eine Operation im Säuglingsalter einen cerebralen Schaden erlitten und ist seitdem geistig behindert. Sie wohnt seit einigen Jahren in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung – Da wir uns nicht ‘verabschieden’ und ihr erklären konnten, weshalb wir erst einmal nicht kommen werden, könnte sie wirklich alles denken. Und das schmerzt sehr, denn der Gedanke, meine Schwester könne denken, uns wäre etwas passiert oder wir würden sie einfach nicht mehr besuchen wollen, ist unerträglich.

Als ich den Text anfing, war kein Lichtblick zu sehen. Vielleicht war das auch ein Grund, warum ich mich eigentlich so schwer mit dem Text getan habe und ihn Woche um Woche nicht vollendete. Waren die ersten zwei Wochen vielleicht sogar fast schon aufregend, weil man in einer solchen Situation noch nie steckte, fühlten sich die folgenden immer unerträglicher an. Wir sahen das Licht am Ende des Tunnels nicht, es gab keinen Tag X, an den man sich orientieren konnte und auch so rückten die Wände irgendwie immer näher. Langsam kehrt aber stückweise die Normalität wieder zurück und man kann allmählich aufatmen. Es gibt Lockerungen, ein gewissen Maß an Alltag, wenn auch mit Einschränkungen, kann wieder angegangen werden und die Mäuse müssen nicht mehr allzu isoliert leben. Es gab Tage, da habe ich wahrlich keine Luft mehr bekommen. Der Mäusemann wurde immer unausgeglichener, Mama und Papa wurden zunehmend unausstehlicher und das ganze gab eine explosive Mischung. Wir haben zwar versucht, viel an der frischen Luft zu sein, waren teilweise fünf Stunden spazieren, doch war auch das irgendwann nicht mehr ausreichend. Wann immer ein Kind vorbeikam, wollte der Mäusemann hin und irgendwie in Kontakt treten. Mit Gleichaltrigen kommunizieren und Spaß haben. Es brach mir jedes Mal das Herz. Und auch für mich war es schwierig Beruf und Kind unter einen Hut zu bekommen. Ohne die betreuende Oma, war Arbeiten eben Essig. Keine fünf Minuten ließ mich der kleine Mann an den Laptop und abends war ich schlichtweg ko. Ich hatte keine Motivation und Disziplin mich am Abend noch für zwei, drei Stunden hinzusetzen. Mir fehlt(e) der Input und die Inspiration, weshalb ihr auch so gut wie absolut Nix von mir gehört habt. Ich gelobe aber Besserung und versuche meinen Poppes selbst wieder aus dem Tief herauszubekommen.

Ich hoffe darauf, dass bald so etwas wie Normalität eintreten wird. eine Normalität mit einem bewussteren Leben und mehr Rücksicht, aber dennoch ohne Beklemmungen.

Wie habt ihr die letzten Wochen erlebt? Wie war es für euch? Unerträglich? Aufregend? Aushaltbar? Berichtet mir.

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