MomLife&MoToBe: Von Gelüsten, neuen Beschwerden und dem völligen KO sein. Wie unterschiedlich Schwangerschaften sein können.

Das hätte ich niemals gedacht, doch es ist ganz anders. Die ganze Schwangerschaft verläuft völlig anders als die Erste. Die Symptome sind andere, die Gefühle und die Konzentration darauf. Als die ersten drei Monate Schwangerschaft mit dem Babyboy vorbei waren, habe ich jede Sekunde genießen können, sehnsüchtig auf die ersten Tritte gewartet und jeden Tag teilweise sekündlich an den kleinen Mäusemann gedacht. Je dicker der Bauch wurde, desto stolzer wurde ich und vor allem auch fitter. Waren andere schon früh fix und fertig, konnte ich noch durch die Gegend schlawenzeln, wenn auch gewiss etwas langsamer. Weil die erste Schwangerschaft so wunderbar verlief und ich unglaublich gerne schwanger war, freute ich ich ganz besonders auf die nächste. Ich dachte nämlich eigentlich, dass diese gleich oder zumindest sehr ähnlich verlaufen würde. Doch tatsächlich stimmt der Satz: Jede Schwangerschaft verläuft völlig unterschiedlich und individuell.

Warum zur Hölle tu ich mir das an?!

Die ersten 16 Wochen waren für mich die Hölle. Ich hatte so sehr mit Übelkeit, Erschöpfung und Kreislauf zu kämpfen, dass es mich nicht nur körperlich, sondern auch mental völlig aus der Bahn warf. Ich hatte damit einfach nicht gerechnet und war geistig auch nicht darauf vorbereitet. Das ‘Blöde’ dabei, das zweite Mal schwanger zu sein, ist natürlich, dass Zuhause noch der Babyboy darauf wartete von mir bespaßt und gekuschelt zu werden. Ich konnte mich also nicht in meinem Elend suhlen und den Qualen auf der Couch liegend und jammernd hingeben. Ich musste präsent sein, den Entertainer mimen und dem kleinen Mann nicht das Gefühl geben, dass etwas nicht in Ordnung war und schon gar nicht, dass er schon jetzt durch seinen kleinen Bruder Einbußen hatte. Und dennoch lag ich teilweise Tage lang nur auf der Couch, während der Männe alles andere machen musste. Ich kam einfach nicht auf die Beine. Das wiederum hat mich zusätzlich gestresst, weil ich es hasse, Aufgaben abzugeben. Ich mache meine Dinge auf meine Art und Weise und kann es so gar nicht leiden, wenn es jemand übernimmt und dann auch noch seine eigene Methode dafür hat. Ich weiß, selbst Schuld, aber so hat halt jeder seine Macken ^^. Also war jedes Aufräumen durch den Mann eine zusätzliche Qual für mich.

Fastfood, Übelkeit und Gelüste.

Ein weiterer Punkt, der ganz anders verlief also zuvor, war mein Essverhalten. Mir war zwar auch in der ersten Schwangerschaft übel, doch aß ich dennoch gesund und ausgewogen. Dies ging aber in den ersten Wochen dieser Schwangerschaft überhaupt nicht. Egal, an was ich dachte, mir wurde sooooo unbeschreiblich schlecht. Ich konnte nicht einmal den Kühlschrank öffnen ohne dem Wunsch nachzugeben, mich allem aus meinem Magen zu entledigen. Was half? Fast Food und Cola. I KNOW – fürchterlich. Ich hatte ein tierisch schlechtes Gewissen, weil es alles andere als gesund war. Wenn einem allerdings den ganzen Tag kotzeschlecht ist und überaus fettiges Essen hilft, dann wird Mama auch mal schwach und verschlingt Pommes, Currywurst und Burger mit Wohlwollen. Mittlerweile ist mir ja glücklicherweise nicht mehr schlecht und ich achte wieder sehr auf meine Ernährung, wenngleich ich ebenfalls sagen muss, dass Süßigkeiten zu meinem täglichen Speiseplan gehören ^^. Aber dieses enorme Verlangen brachte mich ja zunächst zu der Annahme, dass der Bauchbewohner ein Mädel sein würde – immerhin soll es bei denen ja ‘schlimmer’ in der Kugelzeit ablaufen.

Keine depressive Drei-Monatsphase.

Ein positiver Aspekt ist allerdings, dass die depressive Phase, die ich beim Babyboy in den ersten drei Monaten hatte, gänzlich ausblieb. Ich habe meine Entscheidung (aus Panik) zu keiner Sekunde bereut, hatte nie Zweifel, ob wir das schaffen oder noch schlimmere Gedanken gehabt. Okay, halt, klar. Auch jetzt habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich es als Mama überhaupt schaffe, zwei Kinder groß zu ziehen, aber bei weitem nicht in dem hysterischen Ausmaße, wie in der ersten Schwangerschaft. Weder finanziell, noch in Sachen ‘groß bekommen’. Ich denke, da ich jetzt weiß, worauf ich mich im Großen und Ganzen eingelassen habe bzw. einlassen werde und durch die Erfahrungen mit dem Großen bin ich sehr viel entspannter und kann auf dieses Nervenzerreissen genüsslich verzichten.

Die Zeit rast – Wo sind die Wochen nur geblieben?

Mittlerweile bin ich in der 24. Schwangerschaftswoche, was bedeutet, dass die Hälfte schon ein paar Wochen überschritten ist. Bis Dezember scheint es noch so fern und doch weiß ich, dass alles jetzt ganz schnell geschieht. Denn die gesamte Schwangerschaft ist bisher einfach so  an mir vorbei geflogen! Die Konzentration, die es beim Babyboy gab, gibt es hier einfach nicht und das zerfrisst mich. Schon jetzt habe ich das Gefühl, dem kleinen Bauchbewohner nicht gerecht zu werden, ihm nicht die Aufmerksamkeit zu schenken, die er benötigt. Selbst, wenn er tritt,was ja besonders erfreulich und herzergreifend ist, wird im Kopf nur ein Haken gemacht und gedacht ‘Puh, er bewegt sich, alles gut’. Ich bin einfach den ganzen Tag auf Zack. Es wird Haushalt erledigt und sich um den Mäusemann gekümmert, wenn ich es dann noch schaffe, erledige ich tatsächlich ein wenig Arbeit und am Abend bin ich dann völlig platt. Das Schwangerschaftstagebuch ist noch immer nicht angefangen und auch so fliegen die Gedanken zwar natürlich immer wieder um das Baby, aber nicht annähernd so intensiv, wie ich es mir ja selbst wünschen würde. Abends liegen ich immer noch im Bett wach und versuche eine Verbindung zu dem kleinen Wunder in meinem Bauch aufzunehmen. Ich denke an ihn und erzähle ihm in Gedanken, wie sehr ich ihn schon liebe und wie sehr wir uns auf ihn freuen. Ein Trösterchen bei all der wenigen Zeit ist der Mäusemann, denn der kümmert sich bereits herrlich um das kleine Baby. Jeden Abend und auch tagsüber wird mit dem Baby gesprochen. Er erzählt ihm, was er alles macht, wenn er auf der Welt ist, dass er ihn beschützen wird, was den Tag über passierte, wer eigentlich Mama und Papa sind, wie er heißen wird und und und. Er beschäftigt sich so herzallerliebst mit ihm, dass mir jedes Mal mein Herz vor Liebe platzt, weil er sich jetzt schon so sorgt. Ich glaube, es wird niemals einen besseren großen Bruder geben als den Babyboy – toitoitoi.

Der Segen der Unwissenden.

Was noch erschwerend hinzukommt, ist das Wissen, wie so eine Geburt abläuft. Der Vorteil bei einer ersten bevorstehenden Geburt ist das selige Unwissen darüber, was genau passieren wird, wie sich die Wehen anfühlen und und und. Beim zweiten Kind weiß man dann schon worauf man sich da eigentlich einlässt. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich unendlich auf den neuen Erdenbewohner und die erste Geburt, bis auf die Schmerzen, war ein wunderschöner Tag, den Herr T. und ich in vollen Zügen genießen konnten. Ein wahres Abenteuer eben mit dem perfekten Schatz am Ende. Doch bekomme ich neuerdings immer wieder Flashbacks von den Schmerzen. Tatsächlich kann ich mich an diese nicht mehr als solches erinnern, allerdings an die Empfindungen, die ich dabei hatte. Daran, wie ich ohne Betäubung genäht wurde und wie lange ich in den Presswehen lag. Denn der Teil mit den Schmerzen und das kann man eben nicht anders sagen, ist ein Höllentrip. Niemals zuvor hat man solche Schmerzen und auch niemals mehr danach, es sei denn natürlich man bekommt das nächste Kind. Unter der Geburt des Großen habe ich meine Idee verflucht, ein Kind auf natürliche Weise zu bekommen. Mich für bekloppt erklärt, ja gar die gesamte Menschheit für bescheuert erklärt, so einen Scheiß überhaupt zu machen. Ich war auch der festen Meinung, der kleine große Mann würde für immer Einzelkind bleiben, es sei denn wir adoptieren. Und doch sitze ich wieder hier, schwanger, freudig und ängstlich zu gleich und vor allem meine zweite große Liebe erwartend. Verrückt dieses Muttersein. Einfach nur verrückt.

 

Wie war das bei Euch? Verliefen die Schwangerschaften gleich? Oder wurdet ihr auch völlig überrannt? 

 

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