MomLife: Ich habe heute NUR xy gemacht. Wie wir uns selbst nicht wertschätzen und unser Tun schlecht machen. Oder warum wir keine Superheldinnen, sondern Ausgenutzte sind.

Poar, ich habe heute nichts geschafft. Ich habe nur gewaschen. Nur die Kinder angezogen und die Kita gemacht. Dann hatte ich nur noch Zeit zu saugen und aufzuräumen und nur noch ein paar Emails geschafft. Wieder so ein unproduktiver Tag.

Kennt ihr solche oder ähnliche Gespäche mit euren Mädels? Ich führe sie regelmäßig. Mal bin ich es, mal mein Gegenüber. Doch STOPP! Merkt ihr was? Es wurden eine Vielzahl an Dingen, die viel Zeit und Arbeit kosten, aufgezählt und dennoch setzen wir ein ‘nur’ davor. Anstatt zu sehen, was wir alles schon geschafft haben, fahren wir einen Strudel der Abwertung unserer Arbeit und somit unserer Selbst. Es ist der Anfang vom Ende und gibt anderen, der Gesellschaft, die Bestätigung dessen, was wir doch alle gar nicht wollen. Nämlich, dass Care-Arbeit und Erwerbsarbeit zwei unterschiedliche Dinge sind und Care-Arbeit mal eben so geschehen kann, denn sie ist ja keine Arbeit. Und somit unser Tun nichts wert. Und daran müssen wir dringend etwas ändern. Wir müssen es für uns ändern, damit wir endlich mehr wertschätzen, was wir effektiv wirklich tun und wir müssen es mehr schätzen, damit die Gesellschaft endlich anerkennt, dass Zuhause nicht faul herumgepimmelt wird. Es ist zeitaufwendig Kinder zu betreuen, den Haushalt zu führen und all jenes zu tun, was eben so anfällt. Und ich hoffe, dass die nächste oder doch zumindest die übernächste Generation dann die Vorteile darausziehen kann und nicht nur belächelt, sondern gesehen wird. Dass die Person, die daheim bleibt und sich wirklich kümmert, ebenfalls Vorteile davon hat und nicht nur gesagt bekommt, dass das Lächeln unserer Kinder der beste Lohn sei. Fuck you, nein, ist es nicht. Ich liebe meine Kinder und würde für ein Lächeln alles tun, damit sie glücklich sind. Aber Digga, das ist kein Lohn für meine Arbeit!

Früher war ich nicht anders. Vom Patriarchat geprägt und erzogen, war für mich klar, Kindererziehung ist keine Arbeit, läuft nebenher, ist das Schönste der Welt und vornehmlich FRAU tut dies aus absoluter Überzeugung und auf voll und ganz freiwilliger unentlohnter Basis, weil es eben so ist. So bin ich in die Mutterschaft gegangen und so habe ich es mir ewig eingeredet. Meine Frau Mama wurde so erzogen und gab es mir weiter. Es saß da oben in meinem Kopf fest und bröckelte, weil ich an mir plötzlich zweifelte. Ich fand nicht die absolute Erfüllung darin. Fand es anstrengend, nervenaufreibend und mich innerlich zerfressend. Natürlich etwas überspitzt dargestellt, aber es machte mich müde. Es war vom Gefühl anders als es immer dargestellt wurde und ich zweifelte an meinem Können und Sein als Mutter. Aber dann durchforstete ich das Internet. Nicht auf der Suche nach Antworten, aber Auffindend von Gelichgesinnten. Und plötzlich war ich nicht mehr nur nicht allein mit meinen Gefühlen. Ich wurde wach. Sah, dass es gar nicht so sein muss. Dass Mutterschaft natürlich etwas Tolles ist, ich aber keine schlechtere Mutter bin, nur weil ich nicht die pure Erfüllung darin finde. Dass es ok ist, auch ICH sein zu wollen. Dass es verständlich ist, dass ich müde und ausgelaugt bin, es aber nicht so sein dürfte, wenn die Gesellschaft es anders handhaben würde und uns mehr Wertschätzung zuschustern würde. Wenn gesehen werden würde, was wir wirklich machen. Und dass diese von Männern geschaffenen Sätze ala Als Mutter ist man doch glücklich, wenn die Kinder einen umarmen und es gibt keine bessere Bezahlung, nur damit wir ruhig sind und uns nicht gegen diese Ungerechtigkeit wehren, denn wenn wir nicht so fühlen, sind wir ja falsch. Dann sind wir schlecht. Als Mutter. Als Mensch. Denn es ist nicht genug. Muttersein ist wunderschön und ich möchte es niemals mehr tauschen. Aber verdamt nochmal, es ist harte Arbeit, die anerkannt werden sollte!!!

Eine Mutter soll Superheldin sein und sich als Metime mal eine Runde ans Fensterputzen machen, das entspannt ja so sehr. Komisch nur, dass Herr T. dies niemals als MeTime sehen würde. Auch komisch, dass er bewundernd angeschaut wird, wenn er mit beiden Kids unterwegs ist und ich nur ein Augenrollen bekomme, wenn ich vollgepackt und mit meckernden Kindern nicht durch eine Tür komme. Es ist nicht nur komisch, allerdings ganz und gar nicht auf humoristische Art und Weise, es ist auch fatal. Sowohl für uns als auch für unsere Kinder. Wir möchten eine neue Generation schaffen, ein neues Denken in ihnen heranwachsen sehen, doch kommt es mir manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen vor. Vor allem dann, wenn innerhalb der eigenen Familie gewisse Rollenbilder derart festgefahren sind und sie immer wieder (unbewusst) thematisiert und verhärtet werden. Da bedankt sich mein Großer beim Papa, dass er gesaugt hat oder gibt ihm ein Küsschen mit den Worten: Schlaf ruhig aus Papa, das brauchst du jetzt. Während er mich auf Dreck unterm Schrank hinweist und sagt, ich könne ruhig mal besser hier putzen. Wahre Geschichte, so geschehen und das obwohl ich eigentlich genau dagegen arbeiten wollte und es immer noch tue. Aber alles reden und erklären bringt nicht viel, wenn selbst der Herr Papa wie auch die Omas und die Fremden da draußen, die immer wieder ihren Senf zu allem geben müssen, meinem Kind zeigen, dass die Mutter für alles verantwortlich und zuständig ist und wenn der Papa etwas macht, direkt einen Orden verdient. Wir sind keine fucking Superheldinnen, wir werden verdammt nochmal ausgenutzt.

Lasst uns also endlich erkennen, was für einen Wert wir und unser Tun wirklich haben und uns nicht länger unter dem Deckmantel des Superheldinnentums ausnutzen lassen.

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