MommyToBe: Wir machen ein Baby – Perfekt unperfekt.

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Wer aufmerksam mitliest, der hat sicherlich den ersten Mommy To Be – Post vor einigen Wochen gelesen und vielleicht wartet ja auch der eine oder andere bereits ungeduldig auf den nächsten Artikel dazu. In meinem Kopf herrscht immer noch ein leichtes bis mittelschweres Chaos, da es so viel gibt, was ich mitteilen möchte, so viel, was vielleicht auch anderen hilft und so viel noch nebenher im Kopf herumwuselt, dass ich versuche, mich ganz vorsichtig an die verschiedenen Punkte heranzutasten und nicht in ein völliges Durcheinander auszubrechen oder nichts zu vergessen. Aber zunächst möchte ich mich noch rasch für all euer Feedback bedanken! Ich habe so viele Nachrichten – online, aber auch offline – zu diesem Post bekommen, die mich durch und durch glücklich gemacht haben und auch immer noch machen! Tausend Dank für euren Support!

Ängste und Sorgen.

Wenn das so weitergeht, werde ich vermutlich mit dieser Reihe fertig sein, wenn mein viertes Kind auf der Welt ist ^^. Heute möchte ich zunächst ein wenig über meine Ängste und Sorgen sprechen. In unserer Gesellschaft ist dies zwar nicht gerne gesehen, da es bei uns ein Zeichen für Schwäche und Angreifbarkeit bedeutet. Ich hingegen finde, dass man sowas auch aussprechen sollte, da es nicht nur befreit, sondern auch anderen Menschen helfen kann, wenn man sieht, dass man nicht allein mit solchen Gedanken ist. Gut, meine Ängste und Sorgen sind jetzt nicht dramatisch, nichtsdestotrotz spuken sie mir von Anbeginn in meinem Schädel herum und legen immer wieder einen leichten Schleier auf die Vorfreude.

Der richtige Zeitpunkt.

Schon im Eingangspost riss ich kurz das Thema des richtigen Zeitpunkts an und gab auch zu, dass es ihn (bei uns zumindest gerade) nicht gibt. Naja, jedenfalls nicht so, wie es im Bilderbuch a la Hochzeit, guter Job, eigenes Haus, Baum im Garten und der Golden Retriever, der um einen herumtänzelt, aussehen sollte. Auch, wenn ich mir immer wieder sage, dass es den perfekten Moment an und für sich nicht gibt und ich der Meinung bin, dass sich jede Lebenssituation anpassen und man sich selbst den Umständen anpassen kann, sodass am Ende alles rund läuft, frage ich mich allerdings dennoch immer wieder, ob ich noch alle Latten am Zaun habe?! Ich habe noch nie mit Herrn T. zusammen gewohnt, woher soll ich also wissen, dass es funktioniert? Ich mein, so für immer. Klar, die Garantie hat man nie – hach, ich Reimefuchs. Ich habe nicht einmal meine Masterarbeit abgeschlossen, für die es unheimlich viel Konzentration und Ruhe und vor allem KEINE Ablenkung bedarf und ich, dumme Nuss, denke daran, einem kleinen Würmchen meine Gebärmutter zu überlassen…

Bin ich überhaupt eine Mama? Kann ich an meine Mutter heranreichen?

Und dann fügt sich die Kette weiter zusammen, wenn ich darüber nachdenke, dass die Lebensumstände nicht perfekt sind, wie sieht es denn dann mit dem aus, was ich meinem Kind bieten kann? Sowohl finanziell als auch in Sachen Mamasein. Bin ich überhaupt erwachsen genug, um die Verantwortung eines ganzen Lebens zu übernehmen? Bin ich tatsächlich in der Lage, einen Menschen zu formen oder sagen wir mal besser, ihm eine Grundlage zu geben, auf der er oder sie sein eigenes Leben voll Glück aufbauen kann? Was ist, wenn ich voll versage? Wenn ich ein Arschloch oder schlimmer noch heranziehe, weil ich (unbewusst) einen gigantischen Fehler mache und damit alles zerstöre? Ich mein, da hängt ja ein riesiger Rattenschwanz dran. Wenn ich eine schlechte Mutter bin, hat mein Kind darunter zu leiden und das hinterlässt Spuren. Diese Spuren übertragen sich auf seine Umwelt, seine Familie, seine Kinder… Das ist eine enorm große Verantwortung, die man da trägt! Dann blicke ich zurück auf meine Kindheit und überlege wie meine Frau Mama so war und frage mich, ob ich das genau so wunderbar hinbekomme wie sie? Ich mein, zu meiner Kindheit war sie bereits alleinerziehend, hatte ein behindertes Kind (3. Grades) und mich an der Seite und war dennoch die Ruhe selbst – jedenfalls brachte sie es so rüber. So viel Fürsorge, Verständnis, Liebe, Geduld, Unterstützung und noch mehr – kann ich das auch? Sie hat uns alles ermöglicht, was nur ging, war 24h für uns da, hat all ihre Liebe, Fürsorge und Energie übermittelt und war dennoch (oder vielleicht genau deshalb?) der zufriedenste und fröhlichste Mensch überhaupt. Schaff ich es? Zumindest ein wenig? Schaff ich es, dass mein Kind mir so viel Vertrauen & Ehrlichkeit schenkt, wie ich es ihr gegenüber tat?

Die Frage nach dem und wenn…?

Und dann schwirrt da die ganz große Frage im Raum – Was ist, wenn ich, früh genug für einen Abbruch, erfahre, dass es eine Behinderung hat. Bei diesem Thema spalten sich nicht nur die Lager innerhalb der Gesellschaft, sondern auch in mir drin. Ich weiß, was es bedeutet, wenn man ein Kind hat, das 24h und sein gesamtes Leben auf einen angewiesen ist. Ich weiß, was es bedeutet, diesem Menschen ein normales Leben in unserer zu verachtenden und intoleranten Gesellschaft zu ermöglichen. Ich weiß aber auch, was es bedeutet, all die Liebe und Dankbarkeit geschenkt zu bekommen und zu wissen, dass es keinen Menschen auf dieser Welt gibt, für den du so wichtig und bedeutend bist. Huch und zack, da kommt der Kloß im Hals und die Tränen. Es ist Wahnsinn, wie sehr mich das Schreiben dieses Parts berührt. Allein der Gedanke an meine Schwester und das Zerrissensein in mir selbst, schnürrt mir die Kehle zu und überwältigt all meine Gefühle. Und genau das ist das ‘Problem’. Natürlich weiß ich jetzt nicht, was wäre wenn. Was wäre, wenn ich es erfahren würde, welche Gefühle ich in diesem Moment habe und was meine Entscheidung wäre. Doch mache ich mir schon jetzt Gedanken darüber und das zerfrisst mich teilweise. Mir ist bewusst, dass ich die beste Mutter dieser Welt sein könnte und dennoch, die Gesellschaft akzeptiert einfach keine Menschen mit Behinderung und all das Leid und die Qualen, denen es ausgesetzt wäre – vor allem, wenn ich nicht da bin – sind unerträglich, für mich und für mein Kind. Doch möchte ich auf diese reine und bedingungslose Liebe verzichten? Oder ist dies wiederum zu egoistisch gedacht? Hach, Fragen über Fragen über Gefühle über Fragen. Ich hoffe einfach inständig, dass ich mich dieser Entscheidung nie aussetzen muss!

Jährlich werden 100.000 Kinder vermisst…

Die Gedankenkette hört da ja aber auch noch nicht auf. Denn, was ist, wenn meinem Kind etwas passiert? Ich mein, jährlich werden allein in Deutschland 100.000 Kinder vermisst. Wenn davon etwa die Hälfte auch nach kürzester Zeit wieder auftaucht, so bleiben doch immer noch etwa 50.000 Kinder übrig, deren Schicksal man sich gar nicht ausmalen will. Als ich vor etwa zwei Wochen mit Herrn. T. darüber sprach, erklärte er mich für verrückt. Wie könne man sich nur schon jetzt, bevor es überhaupt ein Kind gibt, so wahnsinnig mit solchen Sorgen machen.

Pefekt unperfekt.

Und dann denke ich daran, wie es ist, eine Familie zu haben. Ich denke an die schönen Momente aus meiner Kindheit und das Beisammensein mit den Kindern meines Bruders. Ich denke an all die Liebe und das Glück, das uns erwarten wird. Ich denke daran, wie wunderbar meine Mutter das alles schaffte und all die anderen Mütter, die mit Herzblut dabei waren und/oder dabei sind und trotz teilweise widriger Umstände alles hervorragend gemeistert haben. Ich denke an das überwältigende Gefühl, wenn sich mein Babysitterkind mit seinen kleinen Ärmchen um meinen Hals schlingt, nachdem ich ihn aus dem Bettchen hole und stelle mir dann vor, wie es erst sein mag, wenn es mein eigenes ist. Und ich denke daran, welch große Zufriedenheit es in mir auslöst, wenn ich mir all das vor Augen führe. Es wird nicht immer leicht sein, aber niemand behauptete, dass es leicht sein würde. Es wird auch nicht immer wie in einer 90er Jahre US-amerikanischen Sitcom sein und mich so manches Mal wahrscheinlich zur Verzweiflung treiben. Doch, so glaube ich, ist es all das wert und all die Sorgen und Ängste verrauchen.

 

6 Comments

  • Interessant dass sich alle Frauen die selben Gedanken machen vor/während einer Schwangerschaft.

    Beim zweiten Kind wars bei mir noch schlimmer. Nicht nur dass ich mich fragte ob ich versage usw. Dann kamen noch so Gedanken hinzu wie: “Werde ich beiden gerecht?” und “Wieso sollte ich zwei mal das Glück haben dass es bei mir bleibt? Dass es gesund ist? Dass alles gut geht? Wieso ausgerechnet ich?”

    Deine Gedanken zum perfekten Zeitpunkt kann ich nur abnicken. Es gibt nicht DEN perfekten Zeitpunkt. Irgendwas ist immer. Und wenn man auf den perfekten Zeitpunkt wartet, ist es irgendwann zu spät. Und dann blickt man zurück, denkt “ach hätten wir nur..” und bereut es.

    Deine Sorgen bezüglich Zusammen wohnen.. darüber musste ich etwas schmunzeln 😀 Aber es sind auch nicht viele so verrückt wie wir.
    Ich habe meinen Mann nach 6 Wochen geheiratet und bin erst hinterher mit ihm zusammen gezogen. Zwei Jahre später war ich schwanger. Nächstes Jahr feiern wir den 10. Hochzeitstag und Kind Nr. 2 macht gerade ihr Schläfchen, sie ist gerade knapp 8 Monate alt.
    Ich bin der Meinung wenn man sich liebt, wirklich liebt, dann findet man seinen Weg was zwischenmenschliches angeht. Und dazu gehört auch das zusammen wohnen. Keiner ist perfekt und es gibt ja immer Kleinigkeiten die einem am anderen nerven. Das regelt sich schon. So lange die Kommunikation stimmt und man miteinander redet ist alles okay. Bedenklich wird es erst wenn man sich anschweigt.

    Versuch dir nicht zu viele Gedanken zu machen. Vieles kommt mit der Zeit. Mutter ist man auch nicht von heute auf morgen. Das ist auch ein Prozess mit dem man wächst. Jeden Tag. Man muss sich eingestehen dass man auch mal Fehler macht, dass nicht alles perfekt läuft. Auch Muttersein lernt man durch Erfahrungen machen und Fehler machen. Es wird Tage geben wo man sich über sich selbst ärgert, wo man sich denkt “Heute warst du eine bescheidene Mutter!”, oder wo man sich schlecht fühlt, weil einem Außenstehende das Gefühl geben man wäre das mieseste Elternteil auf Erden. Aber das ist alles egal, wenn dein Kind dich umarmt und sagt “Du bist die tollste Mama auf der ganzen Welt”

    • Hallihallo, meine Liebe!
      Liebsten Dank für Deinen Kommentar!
      Ohja, den Gedankengang mit dem ‘Warum sollte ich nochmal Glück haben, dass es gesund wird etc.’ kann ich sooo gut nachvollziehen!!
      Aber es ist so abgefahren, dass ihr schon nach 6 Wochen geheiratet habt – wenn es passt, passt es einfach. So schön, dass ihr euch gefunden hattet ud so glücklich miteinander seid! Das ist einfach nur ganz wunderbar!!

      Ganz lieben Dank Dir für das ausführliche Feedback <3

  • Hallo Sylvie, meine Kinder haben aus mir eine erwachsene starke Frau gemacht. Sie haben mir zu oft den Spiegel vorgehalten und mich in Frage gestellt. Und das ist wohl gut so, obwohl es manchmal echt nicht lustig ist. Ich habe mir vorher viel ausgemalt wie ich sein werde, wie ich meine Kinder erziehen werden usw. Davon ist nur wenig wahr geworden 🙂 Und ja, ich mache mir auch oft Gedanken über die Sicherheit meiner Kinder und auch viel mehr über meine eigene Sicherheit.

    Liebe Grüße
    Claudia

    • Liebe Claudia,

      aber es ist doch schön, wenn man daran wächst und ‘erwachsen wird’ nicht wahr?! Auch, wenn es vielleicht nicht immer die schönsten Momente sind, an und in denen man wächst!
      Danke Dir für Deine Gedanken!

  • Liebe Sylvi, alle diese Gedanken hatte ich vor knappen 15 Jahren. Es ist schon spannend zu lesen, dass es immer wieder die gleichen Ängste und Sorgen sind die einen begleiten, bevor man sich überlegt Mutter zu werden. Aber ich verspreche dir: Es gibt NIE den perfekten Zeitpunkt und wie du schon sagst: es ist es Wert!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    • Schon irgendwie lustig, dass es eigentlich bei jedem (fast jedem) die gleichen oder doch sehr ähnliche Gedanken gibt. Vielleicht sollte man sich davon einfach komplett frei machen?!
      Danke Dir meine liebste Jenny!

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