MomLife: Wenn dem Kleinkind die Zündschnur reißt. Wie gehe ich mit Gefühlsausbrüchen um?

Lautes Geschrei, Weinen und wütendes Umherschmeißen von Gegenständen. War eben noch freudiges Spielen und Lachen angesagt, explodiert der kleine Mann urplötzlich und lässt eine Fontäne von Zerstörung und Wut über Alle und Alles herniederprasseln. Etwas, was ich so vorher noch nicht von meinem Sonnenschein kannte. Von dem ruhigen, genügsamen Kind, wird er manchmal seit kurzem zum kleinen Teufel. Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass das dazu gehört und ich weiß, dass nichts, was er tut, gegen mich oder jemand anderes persönlich gerichtet ist. Meistens jedenfalls. Erschreckt haben mich seine Gefühlsausbrüche dennoch ein wenig. Ich glaube, ich erkenne oftmals die Trigger, die ihn so wüten lassen, manchmal ist es aber auch für mich ein Rätsel, weshalb er von Null auf Hundert eskaliert. All seine Frustration, Wut und Trauer über etwas ergießen sich in einem Feuerwerk, das er wohl selbst oftmals gar nicht handeln kann und vielleicht auch selbst nicht weiß, weshalb er gerade diese Gefühle empfindet. Überlegt einmal, wie oft wir Erwachsenen plötzlich schlechte Laune haben, ohne wirklich zu wissen warum. Und dann passiert es einem kleinen Wesen, das seine Gefühle gerade erst selbst zu verstehen und zu kanalisieren lernt. Da ist es gut, dem Kummer Luft zu machen. Es ist gesund und es sollte von uns niemals unterbunden oder gar bestraft werden. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass man ihnen nicht gewisse Grenzen aufzeigen sollte, wie das Verletzen Anderer oder das Zerstören von Dingen, an denen er sich womöglich selbst noch verletzten könnte.

Ich selbst bin gewiss keine Pädagogin oder Psychologin, sondern nur Mama, die für sich ihre Wege gefunden hat, um mit dem Schmerz des kleinen Mannes in diesen Momenten umzugehen. Vielleicht ist der eine oder andere Tipp für euch ja hilfreich, muss es aber natürlich nicht sein. Jeder kennt sein Kind am besten und weiß, was funktioniert oder eben nicht. Nur eines ist mir wichtig: Bestraft oder verurteilt dieses Verhalten bitte niemals. Bedenkt immer: Wir sind der sichere Hafen, wo sich unsere Kinder auch einmal vollkommen frei und ‘unverantwortlich’ verhalten dürfen, ohne Repressionen erwarten zu müssen. Sie tun es bei uns, weil sie sich sicher fühlen und wissen (sollten), dass sie nichts zu befürchten haben und am Ende wieder in den geborgenen Armen liegen dürfen.

Meine persönlichen Tipps, um bei Gefühlsausbrüchen die Ruhe zu bewahren:

  • Versucht erst einmal den Trigger zu verstehen. Ist es offensichtlich, warum gerade gewütet wird? Gab es unmittelbar davor eine frustrierende Situation? Lief der ganze Tag vielleicht schon ein wenig blöd für euren Schatz, weil es stressig zuging, der Papa oder die Mama nicht da waren, sie sich mit jemandem gestritten haben oder oder oder? Findet heraus, was der Grund sein kann.
  • Zeigt eurem Kind, dass ihr seine Gefühle erkennt und versteht. Wisst ihr nicht, was los ist, fragt liebevoll nach. Gebt ihm aber auf jeden Fall das Gefühl, nicht allein damit zu sein und gesehen sowie verstanden zu werden.
  • Möchte euer Kind tunlichst in diesem Moment nicht angefasst und getröstet werden? Dann tut es auch nicht! Bleibt dabei, aber meidet Körperkontakt. Fragt ruhig nach einer Weile, ob ihr es nun trösten dürft und sollt. Wenn nicht, auch okay.
  • Schürt keine Ängste! Ihr fühlt euch überfordert oder euch ist es in der Öffentlichkeit unangenehm, wenn euer Kind plötzlich eskaliert und scheinbar den dritten Weltkrieg heraufbeschwören will? Oftmals fallen dann Sätze wie: Wenn Du nicht sofort aufhörst, dann… – gehe ich ohne Dich/ erzähle ich alles dem Papa/ wirst Du nie wieder xy… Oder auch: Schau nur, die anderen Leute schauen schon. Boa bist Du peinlich. Schert euch doch nicht darum, was Andere sagen oder denken könnten. Euer Kind sollte euer Fokus sein und dessen Wohl ist das Wichtigste. Die Leute zerreissen sich eh das Maul… Gebt euren Kindern daher niemals das Gefühl, dass seine Gefühle, mögen sie euch auch gerade noch so unangenehm sein, unwichtig und peinlich sind, denn das sind sie nicht. Sie sind wichtig, sie sind gut, sie müssen sein und manchmal müssen sie eben lauthals raus, so lange man noch nicht weiß, wie man sie anders kanalisieren soll.
  • Was tun wir, wenn wir ganz viele Gefühle haben? Ein Satz, der bei uns zu einer Art Mantra geworden ist. Sprudelt der Babyboy nämlich über vor Gefühlen (ganz gleich, ob positiv oder negativ) ist er häufiger versucht, diese durchs Hauen rauszulassen. Das ist natürlich nicht das, was man sich gerne wünscht. Vor allem, kann solch ein Haken auch von einem Zweijährigen ordentlich zwiebeln. Wir sind dazu übergegangen, ihm Optionen aufzuzeigen. Wenn wir merken, es ist wieder soweit und er kann es nicht recht steuern, fragen wir ihn: Was tun wir, wenn wir ganz viele Gefühle haben? Anfangs gaben wir ihm noch Möglichkeiten: Wir klatschen, wir rufen ganz laut Juhu, wir stampfen auf dem Boden… Mittlerweile überlegt er sich selbst Möglichkeiten und zeigt sie uns. Manchmal merkt er auch selbst, dass er ganz wuselig wird und fängt von sich aus an zu sagen, was er jetzt bei ganz vielen Gefühlen tut. Somit nehmt ihr oft die Luft aus der angespannten Situation, bietet einen neuen Kanal und lenkt auch schlicht und ergreifend ab.
  • Alles hilft nix und es wird euch zu viel? Dann atmet kurz durch und verlasst für einen Moment die Situation und den Raum. Allerdings nicht wütend und vorwurfsvoll. Erklärt eurem Kind, dass es euch gerade zu viel ist und ihr als Mama manchmal dann auch eine Auszeit benötigt. Setzt euch ins Bad meinetwegen, atmet durch und schöpft für einen kurzen Moment neue Energie. Wenn ihr selbst wieder runtergekommen seid, kehrt zurück, erklärt es eurem Kind vielleicht noch einmal und versucht gemeinsam zu verstehen, was gerade passiert ist und wie ihr das vielleicht auch gemeinsam lösen könnt.

Ich weiß selbst, dass es oftmals gar nicht so leicht ist, Ruhe zu bewahren. Vor allem, wenn der eigene Tag katastrophal ist/war und man selbst keine Kraft hat oder am liebsten nur weinen möchte. Wir sind alle nicht perfekt und wir verhalten uns manchmal auch richtig kacke. Das muss man eben so sagen. Dennoch sollten wir, wann immer es uns möglich ist, zumindest versuchen, der Situation selbst zu entkommen oder den Kindern erklären, dass wir sie verstehen, aber selbst keine Kraft haben, richtig zu reagieren. Denn es ist ebenso wichtig, dass nicht nur wir unsere Kinder verstehen, sondern auch sie lernen, dass ebenfalls Mamas und Papas nur Menschen sind, die Gefühle haben, mit denen sie manchmal nicht umgehen können.

Wie geht ihr in solchen Situationen mit den Kleinen um? Was empfiehlt ihr?

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