Bodypositivity – Eine nicht zu unterschätzende Gefahr?

bodypositivity

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag tatsächlich online stellen soll. Ich weiß nämlich ganz genau, dass es einige geben wird, die die eigentliche Aussage meines Artikels nicht verstehen, nicht verstehen wollen oder absichtlich falsch verstehen werden. Deshalb möchte ich direkt zu Anfang ganz ausrücklich klarstellen: Dies hier soll kein Bodyshaming-Beitrag werden und auch keine Beurteilung über ästhetisches Empfinden und das Wohlfühlen einzelner in ihrer Haut.

In der eigenen Haut wohlfühlen – Leichter gesagt als getan.

Sich in seinem Körper – mit all den Makeln, die er nun einmal hat – wohl zu fühlen, grenzt in unserer heutigen Gesellschaft schon an eine Mammutaufgabe. Überall wird einem gesagt, wie man auszusehen hat, mit welcher Figur man glücklich zu sein hat und was die neuesten Trends in Sachen Körperformung sind. Obwohl es ja schon etwas länger die Gegenbewegung gibt, werden die Stimmen im Kopf nicht leiser, die einem sagen, dass das Schwimmen in öffentlichen Bädern oder am See doch eher nicht gewagt werden sollte, denn die Size Zero mit den perfekt definierten Bauchmuskeln ist soweit entfernt, wie der Nordpol zu Fuß von Krefeld.

Lass sie nur reden …

Eigentlich sollte es einem egal sein, was die anderen denken, denn denken tun sie immer irgendetwas und es wird auch immer irgendwen geben, dem irgendetwas an irgendjemanden nicht passt – das war schon immer so, das ist so und das wird auch immer so bleiben. Kennt ihr die Analogie mit dem Ehepaar und dem Esel? Egal, wer auf ihm ritt oder eben nicht, es gab immer Stimmen dagegen. Aber das nur am Rande.

Bodyshaming? Ich hoffe, Du schämst Dich!

Ich bin absolut gegen Bodyshaming! Keiner hat das Recht über das Aussehen oder dergleichen anderer zu urteilen – egal, um was es dabei geht. Jeder hat das Recht seinen Körper zu formen und aus sich zu machen, was er mag. Ob es der Mehrheit gefällt? Who cares? Man lebt für sich und nicht für andere! Und jeder sollte ebenso das Recht haben, sich vollkommen wohlzufühlen, so wie er ist. Erst letztens ist mir am See der Kragen geplatzt als sich zwei Typen über zwei doch recht in die Jahre gekommenen und von der Sonne gegerbten älteren Damen lustig gemacht haben. Unaufhörlich kamen hinter mir Kommentare wie ekelhaft bah, was is‘ die widerlich (und noch einiges mehr) hervor. Was bin ich wütend geworden. Ich bin ja eigentlich nicht der Typ, der sich in andere Dinge einmischt, aber was zu viel ist, ist zu viel. Glaubt mir, die haben sich erst einmal etwas anhören dürfen! Wie kann man anderen Menschen nur die Freude nehmen? Ich verstehe es nicht?!

Bodyshaming geht auch in die andere Richtung.

Bodyshaming geht aber auch anders. Prangern wohlbeleibte Menschen immer wieder an, dass sie von der Gesellschaft nicht akzeptiert und respektiert werden und mit üblen Beschimpfungen und dergleichen kämpfen müssen, gibt es viele Dicke, die jedoch keinesfalls besser sind. Wie oft habe ich schon Sätze gehört, wie: Nur Hunde spielen mit Knochen; Echte Männer mögen echte Frauen mit Rundungen zum Anfassen etc. pp. Ganz ehrlich?! Auch das ist Bodyshaming und nur, weil es gegen Dünne geht, ist es nicht weniger eine Beleidigung.

Bodypositivity – Ein Fluch und ein Segen zugleich.

Fühlt euch wohl in euren Körpern, ganz gleich welche Dellen, Risse, Narben oder Formungen er hat. Damit fing Dove damals in der Werbung an und viele sind diesem Beispiel der Bodypositivity gefolgt. Meine Meinung: Super und zugleich gefährlich. Denn ich glaube, dass wir einem gefährlichen Trend folgen, dessen Auswirkungen und Folgen wir uns noch nicht ganz so bewusst sind.

Wir machen uns selbst krank und feiern das auch noch.

Übergewicht schadet. Und dabei reden wir nicht erst von 150kg+, sondern schon von den ersten kleinen Kilos, die noch als kuschelig abgetan werden. Der Körper und die Organe sind nicht dazu ausgelegt, das Durchschnittsgewicht, dass der moderne Mensch dank McDonalds und Co. mit sich schleppt, zu tragen. Gesundheitliche Folgen der Organe und Knochen sind die Folgen und verkürzen die Lebensdauer. Das ist einfach eine Tatsache und kein Hassausruf gegen Übergewichtige. Das Problem unserer heutigen Gesellschaft ist jedoch, dass dies vollkommen ignoriert wird, ja schlimmer noch, es wird angepriesen, dass Dicksein etwas gutes, etwas anzustrebendes ist. Und um es noch einmal ganz klar zu sagen: Mir ist es schnurzpiepsegal, wie jemand aussieht und hier geht es nicht ums ästehtische Empfinden!

Wir ignorieren die Gefahren oder lasst sie nur, denn sie wissen nicht, was sie tun.

In den Medien – TV, Blogs, Magazine und Co. – gibt es immer wieder diese Ausrufe, dass Dicksein gut ist, ja gar gesünder als Dünnsein. Dass die ganzen Models, die man so sieht, ja viel zu dürr wären und man den Kindern solche Vorbilder nicht geben dürfte, da dies nicht der normale Durchschnitt ist. Und genau an diesem Punkt lauert die Gefahr. Unser gesellschaftliches Empfinden von dem, was als machbar und normal und als gesund angesehen wird, hat sich im Laufe der Jahrhunderte extrem gewandelt. Das, was wir heute als viel zu dünn ansehen, ist die Körperform, die ein ‚gesunder‘ Mensch jedoch haben sollte – und nein, hier ist nicht die Rede von an Anorexia erkrankten Menschen. In den Schulen wird propagiert, dass es okay ist, wenn man ein paar Kilos zu viel hat, was jedoch wiederum dazuführt, dass man die Kinder eher an Adipositas heranführt als ihnen eine gesunde Lebensweise aufzuzeigen. In dem Buch Fettlogik überwinden von Dr. Nadja Hermann (hier geht’s auch zu ihrem Blog: https://fettlogik.wordpress.com/) , das ich tatsächlich verschlang und das mir die Sichtweise auf unsere Gesellschaft und mein Verhältnis zu meinem Gewicht und meiner Gesundheit maßgeblich änderte, führt die Autorin die Analogie mit dem Rauchen ein. Niemand würde in die Schulen gehen und propagieren, dass Rauchen etwas gutes sei. Und dabei kann bzw. ist Übergewicht genauso tödlich und vermindert nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebensdauer. Wir züchten uns gerade eine immer kränker werdende Gesellschaft heran, die sich mehr und mehr angegriffen fühlt, wenn man ihnen vor Augen führt, was wir uns antun. Eigene Entscheidung wird groß geschrieben, doch um jeden Preis?

Your life, your choice – Aber wisst, was ihr tut.

Ich finde, dass die gesundheitlichen Risiken und die Folgen, die schon das gerinsgte Übergewicht haben kann und hat, ganz klar vermittelt werden müssen. Das jedoch absolut sachlich und nicht angreifend – selbstverständlich. Es sollte aber jeder wissen, was er seinem eigenen Körper antut. Ich sehe das genauso wie bei den Zigaretten. Mittlerweile sollte jeder wissen, wie giftig Nikotin und Co. sind, aber natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich diesem Genussmittel hingibt – Your life, your choice. Wenn sich dennoch jemand dazu entscheidet, ein paar Kilos mehr auf den Rippen zu haben, finde ich das vollkommen in Ordnung; es geht mich nichts an und es juckt mich auch nicht im gringsten, da ich den Menschen, der vor mir steht, nicht nach seinem Äußeren beurteile (jedenfalls meistens nicht), sondern danach, wie er sich mir gegenüber verhält. Meiner Meinung nach wird viel zu sehr verschwiegen, was die Kilos einem antun und auch, dass ein Skinnyfat-Körper ebenso gefährdet ist. Ich beispielsweise würde mich unter die Kategorie der Skinnyfat-Menschen einordnen – zwar bin ich gerade noch im Normalgewichtsbereich, jedoch existiert bei mir mehr untrainiertes Fettgewebe als Muskulatur. Ich würde lügen, behauptete ich, dass das Entgegenwirken ein Kinderspiel ist. Jeden Tag muss ich mich aufs neue zwingen, mindestens 15min. Sport zu machen. Es klappt mal mehr und mal weniger ^^.

Was meint ihr zu dieser Problematik? Seht ihr ebenfalls eine Gefahr im Denken unserer Gesellschaft oder denkt ihr, ich haben einen Schuss weg?

 

2 Comments

  • Ich finde deinen Artikel toll! Denn genau darüber habe ich auch schon nachgedacht. Nach dem Film Embrace kamen ja diverse Diskussionen hoch. Ich finde bei diesem Thema ist wieder der goldene Mittelweg wichtig. Klar soll ich mich lieben! Und genau deswegen muss mir eben auch die Gesundheit meines Körpers und meiner Seele wichtig sein. Viele liebe Grüße Claudia

  • Hui, ein sehr grosses Thema und gar nicht in ein paar Worte zu fassen. Beide Seiten sind gefährlich, wie du es schon schreibst. Man sollte schon den Körper gesund halten, in beide Richtungen.
    Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche! Liebe Grüße!

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