MomLife: Abstillen – Unser (fast) tränenfreier Weg und wieso ich so sehr gelitten habe.

Als ich schwanger wurde, war mir klar – ich stille! Wie lange ich stillen würde bzw., dass mir der Schritt zum Abstillen mein Herz ein wenig brechen würde, hätte ich damals nicht geahnt. Im Kopf hatte ich – ich stille die überall laut gemachten sechs Monate und füttere dann eben Brei zu. So macht man das, dachte ich. Immerhin steht es so in vielen Broschüren. Und auch meine Frau Mama hatte die skurrilsten Stillmythen beigebracht bekommen, weshalb sie eh der Meinung war, dass man nur wenige Wochen stillte. Erst im weiteren Verlauf der Schwangerschaft und dann während des (holprigen) Stillstarts, machte ich mir mehr Gedanken dazu, las mich intensiver ein und entschied, ich stille so lange, wie es mein Babyboy wollte und ich mich damit wohlfühle. Denn eines muss hier ganz deutlich gesagt werden: Stillen ist eine Partneraufgabe, zu der ZWEI Parteien gehören und bei der sich BEIDE auch wohlfühlen müssen. Am Ende kam jedoch alles leider ganz anders. Was mir dabei das Herz brach, warum es dann plötzlich Schlag auf Schlag ging und wie verständnisvoll wir einen Weg mit beinahe keinen Tränen fanden, erzähle ich heute in meiner ganz persönlichen Abstillgeschichte.

Einfluss und Druck von außen – Wie ich mich gezwungen gefühlte, abzustillen.

Wie ja bereits geschrieben, war das Abstillen kein selbst gewählter Entschluss, sondern eher eine Entscheidung von außen. Und allein dafür könnte ich mich wirklich ohrfeigen, denn ich habe mich bequatschen lassen in einer Situation, in der ich es eigentlich selbst besser wusste, dem Druck von außen aber nachgab. Angefangen hatte alles, als wir dunkle Flecken auf den Zähnen des Babyboys entdeckten. Die Sorge war groß, dass es Karies sein könnte, obwohl wir Zucker gänzlich vermieden und von Anfang an eine Zahnputzroutine hatten. Allerdings kann Karies ja auch übertragen werden, wenn der Babyboy Löffel, Gläser und Co. mit dem Speichel anderer benutzt. Die Kinderzahnarztpraxis bzw. einer der dort arbeitenden Ärzte beruhigte uns und sprach von einer Demineralisierung des Zahnschmelzes. Auch blöd, aber kein Karies. Puh. Wir waren unglaublich erleichtert. Leider brach kurze Zeit darauf sein einer Vorderzahn ab, weshalb wir wieder hin sind. Dieses Mal wurden wir bei einem anderen Arzt in der Praxis vorstellig und er sprach dann plötzlich von Karies. Herr T. war schockiert und sah sich in seiner Meinung bestätigt, dass ich das Stillen endlich einstellen sollte. Ihm war es nämlich ganz und gar nicht recht, dass ich den Babyboy noch immer zur Brust nahm und kam mit so idiotischen Sprüchen, wie dass er ja noch mit 18 dann in der Diskothek an der Brust hängen würde – ein Spruch, den viele anbringen und der mich jedes Mal mehr zum Kotzen bringt, je häufiger ich ihn höre. Eine dümmere Argumentation gibt es wohl kaum. Jedenfalls sprach der Kinderzahnarzt ebenfalls die Empfehlung aus, schleunigst das Stillen einzustellen, obgleich ich ihm sagte, dass Muttermilch nicht kariös sei. Wir gingen nach Hause und schon auf dem Heimweg hatte ich so einen großen Kloß in meinem Hals und musste das Weinen mit aller Gewalt unterdrücken. Dass der gute Mann, der eigentlich ein toller Vater ist, mir dermaßen jedoch in den Rücken fiel und einen enormen Druck ausübte, damit ich endlich abstillte, brach mir noch mehr das Herz. Einige Tage blieb ich noch recht standhaft, allein schon, weil ich weder meinem Babyboy noch mir einen so eiskalten Bruch antun wollte. Allerdings fing ich schon an, es zu reduzieren – tagsüber gab es nur noch ein bis zweimal die Brust, dann zum Einschlafen und in der Nacht noch einmal. Herr T. wurde richtig wütend, wann immer ich den kleinen Mann stillte und warf mir vor, dass ich Schuld an den schlechten Zähnen sei und ihn regelrecht verstümmel, nur weil ich nicht loslassen könne. Das war wahrhaft keine glorreiche Zeit unserer Beziehung. Mittlerweile wissen wir, dass es doch kein Karies ist, sondern eben eine Störung des Zahnschmelzes, die wir nun einigermaßen eindämmen konnten. Das Abstillen war so oder so also völlig umsonst gewesen und ich hätte dem Babyboy und mir diese blöde und für uns viel zu frühe Erfahrung ersparen können. Beim zweiten Kind würde und werde ich mich nicht mehr so unter Druck setzen lassen und ärgere mich, ja hasse mich sogar ein wenig dafür, dass ich nicht dafür eingestanden habe.

Wenn die Brüste heija machen – Ein sanftes Abstillen.

Nichtsdestotrotz haben wir einen recht angenehmen Weg gefunden, um dem Babyboy einigermaßen tränenfrei und verständlich beizubringen, dass die Milchbar versiegt. Das Gute an unserem kleinen Mann ist, dass er schon sehr früh mit dem Sprechen begann und durch das recht große Vokabular auch vom Verständnis her insgesamt viel weiter war und ist als viele andere Kinder in seinem Alter. Als wir abstillten war unser Mäusemann fast ziemlich genau 15 Monate alt und konnte sich schon gut verständlich machen. Wir begannen also, wie oben bereits erwähnt, das Stillen etwas zu reduzieren. Gekuschelt wurde ohne Brust oder mit der Wasserflasche und auch nachts reichten wir die Wasserflasche. Wann immer er dennoch die Brust wollte, sagte ich ihm, dass die Brüste sehr müde sind und heija machen. Am Anfang waren sie dann manchmal noch wach und er konnte trinken, doch immer öfter schliefen sie. Ziemlich schnell fragte er auch danach, ob sie noch schliefen, indem er auf die Brüste zeigte und nach Heija fragte. Wenn ich das dann bejahte war das auch ok für ihn und er akzeptierte das, fragte allerdings immer wieder nach. In der ersten Nacht als es gar keine Brust mehr geben sollte, brachte Herr T. den kleinen Mann dann ins Bett und schlief auch mit ihm alleine, während ich auf der Couch blieb, damit die Milchbar außer Reichweite war. Anfänglich gab es ein paar Tränchen, aber der Papa ist ein Profi im Trösten und kuschelte ihn in den Schlaf. Das Ganze ist nun schon fünf Monate her, also eine ganz schön lange Zeit und doch merke ich auch heute noch, dass es für uns beide einfach zu früh war. Nachts versucht er hin und wieder noch anzudocken und zum Einschlafen oder Kuscheln benötigt er noch immer einen beherzten Griff an die Brust und hält sie fest. Eine Sache, die der Mann und die Oma alles andere als angebracht finden, aber das ist mir sowas von egal. Wenn er das zur Beruhigung braucht und es ihm hilft so einzuschlafen, darf er das tun. Eine Brust ist nicht zur Erfüllung sexueller Begierde da, sondern zum Stillen des Hungers und wenn es nun ‘nur’ noch der Hunger nach Nähe, Geborgenheit und Schutz ist, dann erfüllt sie immer noch genau den richtigen Aspekt. Ich lasse mir jedenfalls nie wieder eine solche Entscheidung, die ausschließlich mich und den Babyboy betreffen, abnehmen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er mit 18 nicht mehr an der Brust hängt. Jedenfalls nicht an meiner ^^.

 

Wie war das bei euch? Stillt ihr noch? Wie habt ihr abgestillt?

2 Comments

  • Liebe Sylvie,

    vielen lieben Dank für diesen Artikel! Er spricht mir aus dem Herzen. Mein Sohn wird in wenigen Wochen 2 Jahre alt und wir stillen Abends, Nachts und am Wochenende auch tagsüber bei Bedarf. An einer guten Stillroutine und dem Zunehmen haben wir die ersten 2 Lebenswochen hart gearbeitet. Seit er da ist schläft er sehr schlecht (Schreikind in den ersten 4 Monaten) und häufig ist der Gedanke, vor allem beim Papa da, abzustillen um das Schlafverhalten zu verbessern, aber er schläft eigentlich ganz gut wenn nichts ist. Meistens ist halt etwas Erkältung, Zähne oder was auch immer, also schläft er schlecht und ich glaube das würde nur minimal besser wenn er keine Muttermilch mehr bekommt.Bisher habe ich mich nicht bequatschen lassen, auch wenn die Omas auch schon kritische Worte äußern, aber er liebt seine Milchbar und mich stört es nur ganz selten. Solange es so rund läuft und ich Vollzeit arbeiten kann, der Kleine absolut gerne und begeistert in die Kita geht, gibt es eigentlich keinen Grund etwas zu ändern. Wenn es aber gesundheitliche Probleme beim Kind gibt die auch nur entfernt auf Muttermilch zurückgeführt werden könnten, kann ich mir durchaus vorstellen ins Wanken zu kommen…Man zweifelt doch immer irgendwie. Liebe Grüße,
    Eva

    • Liebe Eva,

      ich bin Dir soo dankbar für Deinen Kommentar!
      Du machst das großartig – es ist unvorstellbar, wie anstrengend es sein kann – ich verstehe Dich so sehr und fühle mit Dir!
      Falls es Dich beruhigt, meiner schläft trotz des Abstillens auch immer noch nicht durch und das hat alles auch gar nichts mit dem Stillen als solches zu tun.
      Halte durch, so lange Dein kleiner Schatz und Du Euch wohl dabei fühlt!! Es ist wirklich verdammt ermüdend ständig dem Gegenwind von Außen standzuhalten, aber am Ende ist es eine Sache zwischen Dir und Deinem Kind und sonst niemandem! Höre immer auf Dein Bauchgefühl – ich werde es in Zukunft auch nur noch so machen. Es wissen immer alle besser, doch wirklich kennen, tust nur Du Dein Kind #diemamasuperpower
      Du machst das GRO?ARTIG!!!

      Allerliebst
      Sylvi

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