MomLife: Was für eine Mutter möchte ich sein? Der Druck durch SocialMedia und die persönlichen Erwartungen.

Wenn man sich dafür entscheidet, in der Zukunft eine Familie zu gründen, macht man sich automatisch Gedanken darüber, wie man wohl als Mutter sein wird. Nicht nur, wie es als Mutter sein wird, sondern wirklich auch, wie man selbst sein wird. Welche Rolle werde ich einnehmen? Wie werde ich mich für bestimmte Dinge entscheiden? Werde ich die Strenge sein? Inkonsequent? Werde ich alles erlauben? Die perfekte Mutter, die Haushalt, Mann, Kind und Arbeit im Schlaf schafft, dabei noch top gestylt ist und immer gut drauf? Man hat viele mögliche Vorbilder – die eigene Mutter, die Schwiegermutter, die Frauen, die man tagtäglich auf der Straße mit ihren Kindern sieht und natürlich auch die Mamas aus den sozialen Medien. Gerade die großen Profile sind immer top in Schuss. Haben die schönsten Wohnungen und Häuser, die tollsten Klamotten, die Kinder sind so wunderschön, wohl erzogen und ebenfalls immer en vogue gekleidet. Natürlich ist alles nur ein kleiner Ausschnitt und ja, das Internet ist mehr Schein als Sein, nichtsdestotrotz kann man sich nicht dagegen wehren, diesen leichten Perfektionismus neidvoll in sich aufzusaugen und selbst ein eigentlich nicht zu erreichendes Ziel zu setzen. Das rationale Denken schaltet sich manchmal eben aus oder das Unterbewusstsein ist dann doch ein fieser Hund und gräbt tiefe Furchen in die Vernunft.

Lifestyle-Insta-Mom.

Ich wollte immer die Engelsgeduld meiner Mutter besitzen, über alles top informiert sein, auf dem Wochenmarkt einkaufen und somit nur das Beste vom Besten auftischen. Alles selbst zubereitet und mit viel Liebe und Können versehen. Ich wollte im Mutterdasein aufgehen und nichts anderes lieber tun als mich von früh bis spät mit dem Baby zu beschäftigen. Alles mit links wuppen. Dabei noch wie eine Maschine arbeiten und meinen Teil des Haushaltsgeldes dazusteuern. Immer kritisch sein. Wie eine Löwin vor mein Kind schmeißen, wenn es jemand ungefragt anfassen will. Alles hinterfragen und mir und meinen Plänen stets treu sein. Nicht auf Andere hören. Sich nicht verunsichern lassen. Ich wollte die für mich perfekte Definition einer Lifestyle-Insta-Mom sein. Als der kleine Mann dann endlich da war, geriet ich ganz schön ins Straucheln. Ich wurde unzufrieden. Der Vergleich mit Anderen hat mich schier in den Wahnsinn getrieben. Die selbstgesteckten Ziele waren ehrenhaft, für mich aber unmöglich alle umzusetzen. Überall dabei sein, immer aktiv und für alle die Vorzeigemama. Ich setzte mich so sehr unter Druck, dass ich viele Vorsätze über Bord warf, mir selbst immer untreuer wurde und die wichtigen Momente gar nicht mehr genießen konnte, weil sie nicht im vermeintlich perfekten Schein glänzten.

Von Vergleichen, Prinzipien und dem Behaupten.

Es war töricht. Schlicht und ergreifend einfach töricht, mich, meine Fähigkeiten, mein Mutterdasein, ja meine ganze Existenz mit einer Scheinwelt zu vergleichen und mich daran zu messen. Ich hechelte Meinungen und Ansichten hinterher ohne dabei zu überlegen, ob ich das wirklich so sah oder blind und müde von dem Stress einfach alles irgendwie annahm, was mir gerade vor die Füße geschmissen wurde. Das einzusehen hat wirklich lange gedauert. Es kostete mich einige Überwindung und auch ein paar Nerven, da ich mich vor Familie und Co. behaupten musste. Erst mit der Zeit fand ich zu mir und sah ein, dass Prinzipien dazu da sind, hinter einem gelassen zu werden, wenn es denn nicht schädlich für beide ist. Dass die Hauptsache darin ist, etwas zu tun, weil man davon überzeugt ist und nicht, weil es Klicks bringt oder die Gesellschaft es so erwartet oder die Verwandtschaft sagt, so muss es aber sein und anders ist schlecht.

Ich darf all das und noch mehr.

Ich glaube, mittlerweile weiß ich, wie ich als Mama sein möchte und ich beginne endlich die Leichtigkeit und die Schönheit ohne Druck darin zu sehen. Bei uns steht den ganzen Tag Gemüse, Obst und Schnittchen für Jeden frei zugänglich auf dem Tisch. Hat der Babyoy Appetit, so darf er sich bedienen. Möchte er beim Essen aufstehen und spielen, darf er das. Das Essen bleibt dennoch stehen und er darf später wieder an den Tisch. Möchte der kleine Mann mal eine Folge Bobo oder Benjamin Blümchen sehen? Ja, dann soll er es tun. Er spielt den ganzen Tag so wunderbar und ist täglich draußen, da darf er sich auch mal zurücklehnen und in die Röhre gucken. Ganz ehrlich?! Das bietet mir die Möglichkeit aufzuräumen oder meinen Kaffee mit ihm im Arm warm zu trinken. Immer on fleek gekleidet?! Ha, ich feier mich ja schon, wenn ich geduscht habe ohne, dass sich mein Sohn nebenbei halb umgebracht hat. Und ja, ich darf auch mal genervt vom Spielen sein, die Einschlafbegleitung hassen und ungeduldig werden. Ich darf mein Kind mit einem Stütchen bestechen, wenn das bedeutet, einer Eskalation nach einem langen und stressigen Morgen auszuweichen. Ich darf all das und noch mehr. Ich darf dazu stehen, dass ich meinen Sohn am liebsten noch länger gestillt hätte und kein Problem damit habe, wenn er gelegentlich seinen Busengriff anwendet, um zu schauen, ob beide noch da sind. Ich darf inkonsequent sein, ihn nach dem Spielplatz auch mal schmutzig mit in den Supermarkt nehmen. Er darf seine Stimme unterwegs üben oder wir beide dürfen in der Fußgängerzone tanzen und singen und das so laut, dass sich die Balken biegen. Ich darf abends auf der Couch völlig ko sitzen, obwohl noch zig Dinge erledigt werden müssen. Ich darf unseren Weg gehen. Ganz gleich, wie holprig, sonnig, stürmisch, laut oder leise dieser ist. Ich darf die Zeit als Mama genießen und es mir auch mal leicht machen. Ich darf alles hinterfragen und kritisch zu Dingen stehen, ich darf aber auch einmal bequem sein und Gegebenes für gegeben hinnehmen. Ich darf mir selbst den Druck nehmen und einfach nur entspannt an alles herangehen.

Ich darf all das und noch mehr.

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