MomLife: Jedes Mal ist es anders. Der Unterschied meiner Schwangerschaften & Wochenbetten.

Als ich im März schwanger wurde, war mir klar, dass alles ganz anders werden würde, rein von der Einstellung her, sonst jedoch eben gleich. Ganz bestimmt. Immerhin wusste ich ja, worauf ich mich einlassen würde. Oder?! Dass es am Ende alles ganz anders lief, also wirklich komplett anders, und ich so gar nicht darauf vorbereitet war, haute mich doch sehr um. Aber beginnen wir beim Anfang.

                                                                                                                                                                                                          *Foto von Monika Tambour

Der erste Schuss ein Volltreffer.

Keine Sorge, ich gehe nicht allzu sehr ins Detail, aber schon der Beginn der Überlegungen war ganz anders. Wir legten es drauf an, so richtig. Und siehe da, der erste Treffer war ein Erfolg. Irgendwie wusste ich es, obwohl ich es ja noch gar nicht wissen konnte. Und sogar der Mann schaute mich wenige Tage später an und meinte nur: verdammt, Du bist tatsächlich schwanger. Eine Woche vor der Periode konnte ich es nicht mehr abwarten und machte einen ersten Test. Mir war klar, dass es eigentlich viel zu früh war, aber ich musste es probieren. Tatsächlich gab es dann schon einen Schimmer auf dem Teststreifen und wie ich schon bei der ersten Schwangerschfat lernte, gibt es kein ‘nur ein bisschen schwanger’. Anders als bei der ersten Schwangerschaft hatte ich keine Zweifel und die depressiven Anbahnungen blieben glücklicherweise auch völlig aus. Gut, der Herr war etwas schockiert, trotzdessen, dass es ja geplant war. Aber wie ich schon beim ersten Mal lernte: Nur, weil etwas geplant ist, heißt es nicht, dass man nicht über das Tempo erschrocken sein kann. Und ich habe ebenfalls schon damals gelernt, dass eventuell aufkommende Gefühle, die so gar nicht schön sind und für die man sich in Grund und Boden schämt, irgendwann vorbeigehen und es nichts, aber auch absolut gar nichts an den Gefühlen zum Kind ändert.

Übelkeit & Kreislauf olé, eine schöne erste Zeit adé.

Kämpfte ich in Babyboys Schwangerschaft zunächst mit Antriebslosigkeit, Depressionen und leichter Übelkeit, erschlug mich die vom Muck eiskalt mit sehr starker Übelkeit, enormen Kreislaufproblemen, sodass ich teilweise nicht von der Couch oder dem Bett aufstehen konnte und einem anfäglichen Ischiasschmerz. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, da es mir körperlich beim ersten Mal eigentlich ziemlich gut ging. Bis zum letzten Tag war ich super fit und hätte noch eine Bergwanderung machen können. Nun war ich völlig ausgenockt und das mit einem Kleinkind, das ja dennoch bespaßt werden will. Horror. Sowohl körperlich als auch emotional. Vernachlässige ich etwa schon jetzt den Großen? Wie soll ich den Tag nur überstehen? Und noch mehr zusätzlicher Druck entstand, der die ganze Sache ungenießbar für mich machte. Ich hatte mich so sehr auf die Schwangerschaft gefreut, weil ich es damals so gerne war. Je größer der Bauch wurde, desto stolzer wurde ich und ich hätte den Babyboy auch noch Monate länger in mir tragen können und wollen. Die Gefühle, nicht gerne schwanger zu sein und es eigentlich schnell hinter mich bringen zu wollen, waren neu und alles andere als motivierend. Ich fand es immer unmöglich, wenn ich Schwangere hörte, die überhaupt nicht gerne schwanger waren. Ich konnte es schlichtweg nicht nachvollziehen! Hinzu kam noch die ganze Sache mit Corona, die der Situtaion ebenfalls einen mehr als faden Beigeschmack hinzufügte. Alles in allem war schon der Start ziemlich bescheiden, das muss man so sagen. Als ich dann noch die Symphysenlockerung bekam und mich teilweise gar nicht oder nur mit Tränen in den Augen vor Schmerz bewegen konnte und deshalb beinahe nicht schlief, war ich kopfmäßig völlig raus. Ich hatte solche Sorge, gar keine wirkliche Bindung zum kleinen Muck aufbauen zu können, weil ich weder mental noch körperlich dazu in der Lage war, mich auf ihn einzulassen. Ich überstand den Tag und war froh als die Nacht wieder vorbei war. Ganze neun Monate lang… Um mich zumindest auf die Geburt vorzubreiten, redete ich mir ein, mich auf diese regelrecht zu freuen. Das Dumme bei der zweiten Schwangerschaft ist nur, dass man weiß, was einen erwartet. Ich schwankte also ständig zwischen Euphorie auf diesen besonderen Tag und all den Flashbacks von der ersten Geburt – den Wehen, dem Nähen ohne Betäubung und die Schmerzen, die darauf folgten. Gefühlschaos im Übermaß.

Der Tag der Geburt.

Als es dann plötzlich losging, war auch hier alles völlig anders und meine größte Angst, bewahrheitete sich – Ein Wehensturm mitten in der Nacht und die Abfahrt ins Krankenhaus ohne einen Abschied mit dem Babyboy. Im Geburtstbericht werde ich noch einmal explizit und ausführlich darauf eingehen, doch kann ich bereits so viel sagen: Es lief zwar alles weitaus schneller ab, dafür aber viel befangener und schmerzhafter als noch zweieinhalb Jahre zuvor. All die schönen und besonderesn Gefühle, die ich damals am Tag der Tage hatte, als die Wehen einsetzten, gab es nicht. Der Schmerz übermannte mich und die Sorge, um den Babyboy, der das erste Mal ohne mich aufwachen würde und drei Tage ohne Mama sein müsste, hielt mich so eng gefangen, dass sogar eine Sectio in Betracht gezogen werden musste, weil wir nicht ‘voran’ kamen. Aber, wie gesagt, darauf gehe ich in einem gesonderten Beitrag noch genauer drauf ein.

Wochenbett – Keine Schmerzen, aber auch keine Ruhe.

Erstaunlicherweise und damit hatte ich ebenso wenig gerechnet, hatte ich beinahe gar keine Schmerzen im Wochenbett, in dem ich mich ja auch noch immer befinde. Obwohl ich wieder genäht wurde und Verletzungen 2. Grades hatte, konnte ich mich absolut normal bewegen. Hier und da zwickte es zwar, aber im Vergleich zum ersten Wochenbett, in dem ich zwei Wochen lang weder sitzen noch gehen konnte und wie der neue Sheriff in der Stadt lief, war das ein Witz. Ich fühlte mich körperlich super. Konnte mich frei bewegen und hatte, bis auf das Baby im Arm und den Wochenfluss, überhaupt nicht das Gefühl, vor kurzem ein Baby von immerhin 4.5 Kilo aus mir herausgepresst zu haben. Das war zumindest schon einmal eine enorme Erleichterung, denn wäre ich so fertig gewesen, wie beim Babyboy, huiuiuiui, wären die letzten Wochen noch dramatischer abgelaufen als sie eh schon waren. Denn ich hatte plötzlich emotional total mit mir, meiner neuen Rolle, dem Babyboy und dem Muck zu kämpfen. Plötzlich überrollte mich schon im Krankenhaus die Hormonflut und spülte mich schlichtweg weg. Alle positiven Gefühle waren weggewaschen und die auf einmal auftretenden, unheimlich schmerzhaften Nachwehen verstärkten das Ganze noch um einiges. Ich war so im Zwiespalt – mein schlechtes Gewissen, den Großen im Stich gelassen zu haben, weil ich drei Tage im Krankenhaus war und er mich nicht besuchen konnte, das schlechte Gewissen dem Muck gegenüber, weil ich mich auf einmal gar nicht so sehr über ihn freute, wie er es verdient hatte, der Weltschmerz, der einen überkommt mit diesen Hormonen und dann ein regelrechtes Hassgefühl dem Großen gegenüber, waren einfach zu viel für mich. Ich heulte. Und heulte. Und heulte. Aber ich wusste, dass es die Hormone sind. Ich wusste, dass ich es zulassen musste und dass es bald vorübergehen würde. Und heulte deshalb noch mehr. Die ersten Tage, ja beinahe die ersten zwei Wochen hielt ich einfach nur aus und durch. Der Tag kam. Der Tag ging. Die Nacht kam. Die Nacht ging. Ich versuchte täglich an mir zu arbeiten und dem Großen nicht mehr ganz so unfair ggü. zu sein. Ihn nicht für alles auszuschimpfen und mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Herr T. war völlig überfordert mit meinen Heulattacken und war selbst überaus froh als sie vorüber waren. Denn ja, sie gingen weg. Gottseidank!!! Mittlerweile sind die meisten Hormone ausgespült – siehe meine Pickel und die trockene Haut, na danke – und auch das Verhältnis zu den Kindern ist wieder so viel besser. Ich habe wieder die gleichen liebevollen und stolzen Gefühle dem Großen gegenüber und baue auch immer mehr eine Beziehung zum Kleinsten auf. Wir haben eine Art Rhythmus gefunden und ich bin (meistens) viel entspannter. Wenn ihr ebenfalls solche oder ähnliche Gefühle habt, schämt euch nicht dafür! Keiner hat euch dafür zu verurteilen! Findet jemanden zum Austausch und Ausheulen. Redet, weint, meckert! Und seid euch gewiss, es geht wieder vorbei, haltet einfach durch!! Sollte es nicht vorbeigehen und ihr wisst nicht mehr weiter? Dann holt euch Hilfe. Professionelle Hilfe und auch dafür solltet ihr euch niemals schämen. Ihr habt nichts falsch gemacht und es ist nicht eure Schuld!! Aber es gibt Menschen und Wege, die euch daraus helfen.

Man kann also wirklich überhaupt icht pauschalisieren. Jede Schwangerschaft ist tatsächlich anders, sogar bei der gleichen Frau. Ich habe nie verstanden, wie man nicht gerne schwanger sein konnte. Doch die letzte Schwangerschaft hat mich eines Besseren belehrt und erneut darauhingewiesen, dass ich immer noch zu schnell verurteile und noch mehr lernen sollte, sich in Andere hineinzuversetzen und deren Gefühle nicht herunterspielen sollte. Immerhin habe ich nun selbst erfahren, wie unfassbar anstrengend es sein kann, obwohl es keine Risikoschwangerschaft oder ähnliches war.

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